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Adventliche Stunde 2004

Thema: Die Zukunft im Bauch

am 8.12.2004 im Pfarrheim Vierkirchen
Musikalische Begleitung: Liedermacher Ernst Deger


Eingangslied
: Seht die gute Zeit ist nah


Begrüßung:
(In der Mitte liegen Bilder von Anna-selbtritt-Figuren aus den Kirchen des Dachauer Landes. Jeder Teilnehmer sucht sich eines aus).

Die Zukunft im Bauch, das ist unser Thema heute. Jeder hat es erlebt, bewusst oder unbewusst, dass Leben im Bauch heranwächst, und dann in die Welt kommt. Leben ist Zukunft.
Ihr habt euch ein Bild ausgewählt, was hat es mit diesem Thema zu tun? Wir sehen eine Frau, groß nicht mehr ganz jung, sie Mutter und Großmutter, Anna, nach christlicher Überlieferung ist sie die Mutter von Maria. Anna heißt Huld, Gnade, für die Mutter Mariens der passende Name.
Maria ist das Kind der Anna, und so ist sie auch dargestellt: ein Mädchen, das zu Ihrer Mutter aufschaut mehr oder weniger. Sie ist ein Mädchen, eher als eine junge Frau.
Die dritte Figur ist ein Kleinkind, ein Bub. Jesus, der Sohn Marias und der Enkel der Anna. Drei Personen, drei Generationen, eben Anna-Selbdritt. Anna steht für die Vergangenheit, die Herkunft, die Wurzel, die Basis, das Ererbte, das Alte Testament. Es ist unsere


Die Barbarazweige waren für die Fürbitten bestimmt: Nach Formulierung ihrer Fürbitte legten die Teilnehmer einen Zweig in die Vase.

Vergangenheit, unsere Herkunft, unsere Wurzel,
unsere Basis, unser Erbe. Maria ist jung, ist mitten drin,
ist Gegenwart, ist sich ereignen, ist handeln, ist hoffen. Sie ist frei von Sünde, von ererbter Schuld, sagen die Theologen.

Heute am 8. Dezember ist Maria unbefleckte Empfängnis, Anna hat sie getragen und geboren ohne die von ihren Vorfahren ererbte Schuld. Maria ist unschuldig, erlöst.Ein Zustand von Anfang an, ein Zustand den wir uns erhoffen, jetzt und später.
Jesus, noch ein Kind, ist die Zusage dieser Sehnsucht, dieser Hoffnung. Er ist getragen von Anna, der Mutter und Großmutter, der Welt zugewandt, die Erdkugel hält er wie einen Apfel in der Hand. Im anderen Bild reicht ihm Maria den Apfel/die Erdkugel. Jesus nimmt sie. Die Welt in seiner Hand, geheilt, das wieder gefundene Paradies.
Das Bild zeigt Jesus im Einklang mit Anna, der Großmutter, der Vergangenheit, mit Maria, der Mutter, der Gegenwart und mit der Welt heute und in aller Zukunft. Die drei sind aufeinander bezogen, sie gehören zusammen. Das zeigen die Blicke, Gesten und Haltungen. Das Bild zeigt aber auch einen zeitlichen Ablauf, die Erwartung, dass das Heil ankommen wird und mit Jesus heranwächst.

Anna war schwanger mit Maria, Maria war schwanger mit Jesus. Schwangerschaft heißt unmittelbar hoffen, warten, reifen, wachsen, gedeihen, unmittelbar erleben. Schwangerschaft heißt verborgen sein, geborgen sein, beschützt sein, sichtbar werden, befreit werden, gut werden. Schwangerschaft ist ein Symbol für Advent. Erwarten und ankommen, ankommen im Heil. .
Die Zukunft kommt aus dem Bauch.

(Weitere Bilder der Anna-Selbdritt finden Sie unter der Adresse: http://www.kirchenundkapellen.de/kirchen/Anna.htm)

Kyrie: GL 495/2

Lesung: Epheserbrief 1,3-7
Paulus, Apostel Jesu Christi durch den Willen Gottes, an die Heiligen, die in Ephesus sind, und Gläubigen in Christus Jesus. 2 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unsrem Vater und dem Herrn Jesus Christus! 3 Gepriesen sei der Gott und Vater unsres Herrn Jesus Christus, der uns mit jedem geistlichen Segen gesegnet hat in den himmlischen Regionen durch Christus; 4 wie er uns in ihm auserwählt hat vor Grundlegung der Welt, damit wir heilig und tadellos wären vor ihm; 5 und aus Liebe hat er uns vorherbestimmt zur Kindschaft gegen ihn selbst, durch Jesus Christus, nach dem Wohlgefallen seines Willens, 6 zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade, mit welcher er uns begnadigt hat in dem Geliebten; 7 in ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Sünden nach dem Reichtum seiner Gnade,

Ruf vor dem Evangelium: Halleluja Taizé

Evangelium: Lk 1, 26-38

Predigt: Josef Mayer . . zum Text der Predigt. .

Fürbitten:
Jeder Teilnehmer nimmt nach freier Formulierung seiner Fürbitte einen in der Mitte des Raums liegenden Barbarazweig und steckt ihn in die Vase. An jedem Zweig ist auf einem Zettel ein Spruch aus Evangelium oder Lesung angebracht.

Gabenbereitung

Sanktus: Heilig, heilig ist der Herr

Vater unser: Treppenbuch 77

Friedensgruß: Jeder macht seinem Nachbar eine Zusage


musikalisch begleitete uns
der Liedermacher Ernst Deger aus Vierkichen

Kommunionausteilung: in beiderlei Gestalt

Schlussbesinnung:
Wir glauben an den Gott der Anfänge. Dem ersten Menschenpaar zerrinnt die Fülle des von Gott geschenkten Anfangs unter den Händen. Doch Geschichte und Geschichten des Volkes Israels bezeugen: Wieder und wieder hat Gott die Menschen beim Namen gerufen und sich auf den Weg gemacht, um sie zu suchen. Aus dem Stall von Bethlehem dringt das Licht des allerersten Anfangs auch in unser Leben. Wir ehren Maria, als die Frau, die Jesus geboren hat. Sie sagt ja zu Gottes gutem Willen. Sie ist bereit, neu zu beginnen, mit Gott. Am heutigen Tag freuen wir uns über Maria, den Menschen, den Gott von Anfang an aus der unheiligen Verstrickung der Menschen gelöst hat. Guter Gott, du hast uns den Glauben an das Kom-men deines Sohnes geschenkt; segne und heilige uns durch das Licht deiner Gnade. - Amen. Guter Gott, mache uns standhaft im Glauben, froh in der Hoffnung und eifrig in den Werken der Liebe. - Amen.

Segensbitte:
Guter Gott, die Ankunft des Erlösers sei uns Unterpfand der ewigen Herrlichkeit, die uns verheißen ist, wenn er wiederkommt. Das gewähre euch der dreieinige Gott, der Vater, der Sohn und der Hl. Geist. - Amen.

Schlusslied: Diesen Tag Herr. . .Treppenbuch 245

Vorbereitet von Hildegard Mayerhofer, Werner Götz und Pfarrer Mayer

 

Danach setzten sich die Teilnehmer zu einem kleinen Ratsch zusammen. Es gab bei -wie immer bei den Adventsfeiern- verschiedene Sorten selbstgebackenen Brots und Getränke.

Besonders schmackhaft war das Apfelbrot von Irmgard Wachter. Das Rezept verrate ich Ihnen an dieser Stelle in ein paar Tagen.

 


Text der Predigt

Das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens, das per dogmatischem Erlass von Papst Pius IX. im Jahr 1854 eingeführt wurde, führt auf die Herkunft Mariens zurück. Es möchte nichts anderes aussagen, als dass Gott an ihr von Anfang an wohlwollend gehandelt hat. Um Jesus willen ist sie herausgenommen aus dem Urzusammenhang von Schuld und Sünde, der die reale Lebenswelt von uns Menschen ausmacht.
Im Laufe ihres Lebens hat Maria gelernt, zu Gottes Plan mit ihr Ja zu sagen, wie es Karl Rahner zurecht formuliert hat. Wenn wir dieses Fest feiern, sind auch wir aufgefordert, immer tiefer in dieses Ja zu Gottes Plänen mit uns hinein zu wachsen:

Liebe KLBlerInnen aus dem Landkreis Dachau, Mitchristinnen und Mitchristen, das heutige Fest ist mit vielen Verständnisschwierigkeiten behaftet. Die vor allem durch den Heiligen Augustinus geprägte Lehre von der Erbsünde, die durch Zeugung und Empfängnis weitergegeben werde, ist sehr zeitgebunden und heute kaum mehr nachvollziehbar. Theologisch entscheidend ist die Aussage, dass es eine als Schuld erfahrene Unheilssituation der gesamten Menschheit vor Gott gibt. In diese unheile Lage wird jeder Mensch hineingeboren. Davon ist jede und jeder betroffen, ehe sie oder er überhaupt eine Entscheidung trifft oder gar etwas tut.
Der niederländische Theologe Piet Schoonenberg hat vorgeschlagen, diese Unheilssituation mit dem Johannesevangelisten "Sünde der Welt" zu nennen. Diese "Sünde der Welt" gehört zur "Umwelt" einer Person. Ja, sie prägt den einzelnen Menschen zutiefst. Ist ein Mensch bestimmt durch Sünde und Schuld - samt deren Folgen, so ist diese Schulderfahrung jeglicher freien Entscheidung als negative Voraussetzung vorgegeben und schränkt somit die eigene Freiheit ein. Diese - wie mein Dogmatikerlehrer Professor Josef Finkenzeller immer gesagt hat - "ererbte Schuld" lässt sich als ein derartiges Bestimmtsein durch die "Umwelt" erklären, so dass der eigene Freiraum kaum mehr erkennbar ist.
Sie alle kennen diese, wenn sie nur auf die Rahmenbedingung schauen, in denen sich ihr Tun vollzieht. Besonders deutlich wird es im ländlichen Bereich beim Blick auf die Rahmendaten, die von der EU her kommen, und die somit die Möglichkeiten der Landwirte in den verschiedenen Ländern beträchtlich einschränken. Es ist gibt aber auch das Diktat des Marktes, das allzu leicht zu einer Diktatur werden kann. Wenn wir unseren Blick auf das heutige Fest zurückwenden, bedeutet es: Maria ist allein durch die Gnade Gottes - und ohne irgendein Dazutun - vor den verderblichen Einflüssen der so bezeichneten "Sünde der Welt" bewahrt worden. Das heißt allerdings nicht, dass sie nicht - wie die anderen Menschen auch, den eigenen Lebensweg erst erarbeiten und sodann durchleben musste.

Am vergangenen Wochenende habe ich mit Jungen Erwachsenen aus der KLB Dachau das Evangelium des heutigen Festtages näher hin in Augenschein genommen. Dabei wurde deutlich, wie sehr die theologische Botschaft die biographischen Erfahrungen zu überspielen im Stande ist. In bibliodramatischen Anspielszenen wurde dies verdeutlicht.

Wie gewichtig und schwierig die Botschaft ist vermittelte uns vor allem die Tatsache, dass erst der dritte Engel in der Lage war, Maria diese sogenannte gute Nachricht zu übermitteln. Die beiden ersten Engel sind angesichts der hier geforderten Anstrengung, die sich darin zeigt, dass ungeheure Angstbarrieren übersprungen werden müssen, einfach ausgestiegen. Ich behaupte, das ist nicht verwunderlich: Denn je tiefer sich der Mensch in solche zwischenmenschlichen Vorgänge hineingibt, umso klarer wird ihm die Prozesshaftigkeit eines solchen Geschehens. Dabei erkennt er von Herzen an, dass hier viel Zeit zum Hineinwachsen nötig ist. Selbst ein Engel Gabriel, was übersetzt nicht anderes heißt als die "GEBORA", die Geburtskraft, muss schon tief im Geheimnis Gottes verwurzelt sein, dass er Maria diese Zumutung "einer angeblich so frohen Botschaft" überhaupt übermitteln kann. Geschweige denn Maria! - wenn wir ihr nunmehr unsere ganze Aufmerksamkeit schenken! Bis zu dem "Siehe, ich bin eine Magd des Herrn", ist in der Tat ein weiter Weg zurück zu legen.

Ich glaube, dass dies der peruanische Künstler gespürt hat, der sich dazu hinreisen ließ, den Gang zur Volkszählung als erste Flucht darzustellen. Als die Schwangerschaft in den Augen der Leute in Nazareth augenscheinlich wurde, kam die Volkszählung. Ich glaube, sie kam für die beiden Maria und Josef wie gerufen. Vielleicht haben sie bei sich gedacht: "Die hat uns ein Engel Gottes geschickt." Da mag der Weg nach Bethlehem noch so anstrengend gewesen sein. Für das "tatsächliche heilige Paar" war die Flucht nach Ägypten bereits ihre zweite Fluchtbewegung. Unser Künstler zeigt Maria und das Jesus-Baby auf einem Esel reitend und Josef nebenher gehend. Es ist eine Last, die der Esel durchaus tragen kann. Besonders interessant ist dann allerdings das dritte Bild: Es zeigt nur mehr Jesus auf dem Esel reitend und Maria und Josef zu Fuß einher gehend auf dem Rückweg von Ägypten. Dieser Jesus - in den vorliegenden Darstellungen - ist mindestens vier Jahre alt. Er allein ist für den Esel schon schwer genug, so dass Maria und Josef auf eigenen Füßen gehen müssen. Womöglich, ja ich bin mir fast sicher, war erst diese Rückkehr aus dem Exil in Ägypten und somit die Heimkehr der Moment, in dem Maria ihr "FIAT", ihr "JA, mir geschehe nach deinem Wort" sprechen konnte.

Dieser Zusammenhang enthebt Maria nicht schon vorschnell unseren Blicken. Er bringt sie vielmehr noch näher an uns und unsere Erfahrungswelten heran. Diese Maria bleibt - und das möchte ich am Festtag ihrer "Unbefleckten Empfängnis" eigens betonen - immer noch eine besondere Frau. Aber ihr JA rückt näher an uns heran und trifft sich mit dem, was unser Leben ausmacht. Ihr JA ist uns Vorbild für unsere vielen kleineren und größeren JA´s, die wir im Laufe unseres Lebens zu den kleineren und größeren Einbrüchen zu sprechen haben. Ihr JA schenkt uns die Gewissheit, dass auch wir vor Gott Zeit haben, um in unsere unterschiedlichen JA´s hineinzuwachsen. Diese geschenkte Zeit ist es, die allein mit einem liebenden Gott in Einklang zu bringen ist.

AMEN.

Texte und Berichte über frühere Adventsfeiern. . .