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Bußgottesdienst 1994
am Freitag, 18. März 1994 in der Basilika Petersberg

Thema: "Der rote Faden in meinem Leben"

Eingangslied GL 183,1-3 Wer leben will wie Gott auf dieser Erde. .

Begrüßung und Einführung:
Liebe Schwestern und Brüder, Gott will uns in dieser Stunde mit seinem Erbarmen entgegenkommen. Er ist bei uns in diesem abendlichen Bußgottesdienst, zu dem wir zusammengekommen sind, um uns auf Ostern vorzubereiten. Dazu begrüße ich Euch ganz herzlich.

Der rote Faden
In Jesus von Nazareth ist uns Gott, der uns Vater und Mutter ist, nahe gekommen. In Jesus von Nazareth begegnet uns das Erbarmen und die Liebe Gottes.Gott lädt uns zur Umkehr ein. Wir sind uns bewußt, daß unser Leben einem Labyrinth gleicht, in dem wir uns immer wieder neu orientieren müssen. Wir Menschen brauchen die Umkehr, vor allem aber die Vergebung. Bußgottesdienst feiern wir gemeinsam, weil wir aneinander und miteinander schuldig geworden sind. In dieser gemeinsamen Versöhnungsfeier wird deutlich, daß die Sünde immer auch eine soziale Dimension hat. Durch unsere Fehler stören und zerstören wir nicht bloß unser Leben, sondern schaden auch den ändern. Wir sind eine Gemeinschaft von Menschen, die miteinander ihr Versagen vor Gott, vor den Mitmenschen und vor sich selber bewältigen möchte. Dazu reicht uns Gott seine heilende Hand. So beginnen wir diesen Bußgottesdienst: Im Namen des Vaters. .

Ein paar Gedanken zum roten Faden: Nehmen wir ihn ruhig in die Hand und halten wir ihn fest. Der Faden in unserer Hand will uns fragen: Gibt es in unserem Leben so etwas wie einen roten Faden, der uns durch das Labyrinth und die Verstrickungen unseres Lebens hindurchführt zur Freiheit der Kinder Gottes?

Wir wollen uns besinnen: Herr - verstrickt in viele Netze, Notwendigkeiten und Pflichten erkennen wir oft nicht mehr den roten Faden, den Sinn unseres Lebens. Herr - gebunden an viele Lasten, Sorgen und Ängste suchen wir oft vergeblich nach dem roten Faden, nach dem Sinn unseres Lebens. Herr - geblendet von vielen Bildern, Versprechungen und Reklame finden wir kaum noch den roten Faden, den Sinn unseres Lebens. Herr - zerrissen von eigenen Wünschen und fremden Anforderungen von außen, suchen wir verzweifelt nach dem roten Faden, nach dem Sinn unseres Lebens.


Gebet
Gott, du bist uns Vater und Mutter zugleich. Erleuchte uns, öffne uns Augen und Herz, laß uns den roten Faden finden, damit wir unseren Lebenssinn besser erkennen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.


GEWISSENSERFORSCHUNG -MEDITATION

l. Unsere Welt - ein Labyrinth

Unsere Welt erscheint uns wie ein Labyrinth, wie ein undurchschaubares Gewirr von vielfach verschlungenen Gängen und Wegen.

Wir hören eine Geschichte aus den Sagen der Griechen, in der ein roter Faden den Verirrten Rettung bringt: Auf der Insel Kreta hauste in einem unterirdischen Labyrinth ein Ungeheuer, halb Mensch und halb Stier, der Minotauros. Die Bewohner der Insel mussten ihm alle neun Jahre sieben junge Mädchen und sieben junge Burschen zuführen. Der griechische Held Theseus reihte sich freiwillig unter die Schar der Todgeweihten ein. Die Tochter des Königs von Kreta, die schöne Adriane drückte ihm ein Knäuel mit rotem Garn in die Hand, damit er mit den anderen den Weg wieder zurückfinden könne. Theseus befestigte das Ende des Garns am Eingang und ließ das Knäuel abspulen, während sie sich ins Innere der Höhle vortasteten. Theseus gelang es in der Mitte des Labyrinthes das Ungeheuer zu besiegen. Das rote Garn half ihnen, durch die sinnverwirrenden Windungen des Irrgartens wieder zum Eingang der Höhle zurückzufinden.

Stille

 

- In welchem Labyrinth befinde ich mich?
- Verirre ich mich in Macht und Prestigesucht, in Konkurrenz- und Karrieredenken?
- Vernachlässige ich den Sonntag der Ruhe und Erbauung, gehe ich auf in einer Freizeithektik?
- Lasse ich mich durch falsche Propheten zu immer noch mehr Konsum verführen? Welches
   Ungeheuer, welcher Minotauros, sitzt in mir?
- Mißgönne ich dem Anderen seine Begabung, seinen Erfolg und seinen Besitz?
- Wo habe ich durch Streit und üble Nachrede Unfrieden gesät?
- Nehme ich dem Anderen den Mut seine eigene Meinung zu sagen? Gibt es so etwas wie einen
   roten Faden, an dem ich mein Leben orientiere?
- Habe ich Freunde, die mit mir einen Ausgang aus dem Labyrinth suchen, oder bin ich allein?
- Ist noch Liebe da zu denen, die ich mir vertraut gemacht habe?
- Oder bin ich innerlich leer geworden und finde deshalb keinen Ausweg mehr aus meiner
   Sackgasse?

Lied: GL 183,4-5

 

2. Unsere Welt - ein Turm

Manchmal sind wir so gefangen in uns und um uns, daß eine Befreiung nur noch von außen möglich ist.

Hören wir dazu eine Geschichte, in der ein Faden die Rettung einleitet:

Ein hoher Beamter fiel bei seinem König in Ungnade. Der König ließ ihn im obersten Raum eines Turmes einkerkern. In einer mondhellen Nacht stand der Gefangene auf der Zinne des Turmes und schaute hinab. Da sah er seine Frau unten stehen. Sie gab ihm Zeichen und berührte die Mauer des Turmes. Gespannt blickte der Mann hinunter, aber es war für ihn nicht zu erkennen, was seine Frau tat. So wartete er geduldig. Die Frau hatte einen honigliebenden Käfer gefangen. Sie bestrich seine Fühlhörner mit Honig. Dann befestigte sie das Ende eines Seidenfadens am Körper des Käfers und setzte ihn mit dem Kopf nach oben an die Turmmauer. Der Käfer kroch langsam dem Geruch des Honigs nach, bis er schließlich dort ankam, wo der gefangene Ehemann stand. Der Mann lauschte in die Nacht hinein, sein Blick ging nach unten. Da sah er den Käfer über die Brüstung klettern. Er griff behutsam nach ihm, entdeckte den Seidenfaden, löste ihn vom Körper des Käfers und zog ihn langsam zu sich empor. Der Faden wurde schwerer und am Ende des turmlangen Seidenfadens war ein Zwirn befestigt. Der Mann zog nun auch diesen Zwirn zu sich empor. Und am Ende hatte der Mann eine starke Schnur in der Hand. Er zog auch diese zu sich herauf und ihr Gewicht nahm immer mehr zu. Am Ende der Schnur war ein starkes Seil angeknotet. Der Mann machte das Seil an einer Turmzinne fest. Der Gefangene ließ sich daran hinab und war frei. Mit seiner Frau ging er schweigend in die stille Nacht hinaus und verließ das Land des ungerechten Königs.

Stille

Besinnungsfragen

 

In welchem Turm sitze ich gefangen?

- Sitze ich fest in meinen eigenen Sorgen und Nöten?
- Halte ich Ausschau nach den kleinen Dingen am Weg meines Lebens?
- Kann ich in Geduld auf Hilfe warten, etwas Reifen lassen?
- Bemühe ich mich andere aus ihrem Turm zu holen?
- Habe ich einen Blick für die Not hinter der Mauer des Anderen?
- Wie gehe ich mit Menschen um, die unter Enttäuschungen leiden, die in sich gefangen sind?
- Ermutige ich andere, daß sie sich etwas zutrauen?

Lied; GL 168,1-4

EVANGELIUM
Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas (Lk 4,18b-19) "Der Herr hat mich gesandt, um den Armen die Heilsbotschaft zu bringen: Er hat mich gesandt, den Gefangenen zu verkünden, daß sie frei sein sollen. Und den Blinden, daß sie sehend werden. Den Unterdrückten soll ich Freiheit bringen. Und das Jahr ansagen, in dem Gott sein Volk retten will." Evangelium unseres Herrn Jesus Christus. - Lob sei dir Christus.

Kurze Ansprache


Glaubensbekenntnis

Laßt uns unseren Glauben bekennen:

 

Ich glaube, daß ich im Leben nicht allein bin.
Gott ist bei mir.
Ich glaube, daß ich im Leben nie allein bin.
Jesus Christus kam, um mit mir zu gehen.
Ich glaube, daß ich unter Menschen nicht allein bin.
Um mich ist die große Gemeinschaft der Kirche.
Ich glaube, daß ich immer wieder zu Gott zurück kann, auch wenn ich weit weg bin.
Ich glaube, daß Gott für mich das Leben will und nicht den Tod, die Freude
   - und nicht die Angst.
Ich glaube, durch seinen Heiligen Geist ist er bei mir, heute und morgen und immer und ewig.

Amen.

Meditatives Orgelspiel

3. Unsere Welt - und das Seil über dem Abgrund!

Wie kommen wir über die Abgründe unseres Lebens?
Wird unser roter Faden zum tragfähigen Seil?
Es kommt auf unser Wagnis an!

Hören wir eine 3. Geschichte:

Über dem Marktplatz einer kleinen Stadt hatte ein Seiltänzer sein Seil gespannt. Er machte über den staunenden Blicken vieler Zuschauer seine gefährlichen Kunststücke. Gegen Ende der Vorstellung holte er einen Schubkarren hervor und fragte einen Anwesenden: "Trauen Sie mir zu, daß ich den Karren über das Seil schiebe?" - "Aber gewiß", antwortete der Gefragte fröhlich, auch andere stimmten zu. Der Seiltänzer fragte weiter: "Würden Sie sich dann meiner Geschicklichkeit anvertrauen, sich in den Karren setzen und von mir über das Seil fahren lassen?" Die Mienen der Zuschauer wurden ängstlich. - Nein, dazu hatten sie keinen Mut! Da meldete sich ein Kind, kletterte hinauf, und unter dem gespannten Schweigen der Menge schob der Mann das Kind über das Seil. Als er am anderen Ende ankam, klatschten alle begeistert Beifall. Einer aber fragte das Kind: "Sag, hattest Du keine Angst da oben?" "0 nein", lachte es, "denn es ist ja mein Vater, der mich über das Seil schob!"

- Stille

- Besinnungsfragen

 

Es ist das Vertrauen auf Gott, der als Vater und Mutter, mir über alle Abgründe helfen kann:
Worauf vertraue ich in meinem Leben?
Baue ich in meiner Lebensgestaltung nur auf das, was machbar und berechenbar ist?
Wage ich es, anderen Menschen zu vertrauen und mich auf sie einzulassen?
Vertraue ich auf Gottes Botschaft, der seit Jahrtausenden sagt: "Ich bin für euch da!"?

Lied: GL 160,1-3 Bekehre uns, vergib die Sünde. .

Schuldbekenntnis

1. Wir wollen vor Gott bekennen und bereuen, daß wir uns im Labyrinth des Lebens oft aus eigener Schuld verirren. Der rote Faden der Liebe, der uns mit Gott und den Mitmenschen verbindet droht abzureißen.
2. Wir wollen bekennen und bereuen, daß wir uns manchmal wie in einem Turm einigeln und niemand an uns heranlassen. Wir sind nicht fähig anderen aus ihrem Turm herauszuhelfen, die in sich selbst gefangen und gelähmt sind.
3. Wir wollen bekennen und bereuen, daß unser Vertrauen auf Gott oft schwach und wir es nicht wagen uns auf die Schritte einzulassen, die er uns führen will.

Meditatives Orgelspiel (GL 164)

Wir sprechen gemeinsam das Schuldbekenntnis: Ich bekenne Gott, dem Allmächtigen und allen Brüdern und Schwestern, daß ich Gutes unterlassen und Böses getan habe. Ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken durch meine Schuld, durch meine Schuld, durch meine große Schuld. Darum bitte ich die selige Jungfrau Maria, alle Engel und Heiligen und euch Brüder und Schwestern, für mich zu beten bei Gott, unserm Herrn. Amen.

Vergebungsbitte

Der gütige Gott erbarme sich unser. Er lasse uns die Sünden nach und führe uns zum ewigen Leben. Amen

Segen und Entlassung

Wir wollen um Gottes Segen bitten:
* Der barmherzige Gott hat uns den Glauben an das Kommen seines Sohnes geschenkt; Er segne und heilige uns durch das Licht seiner Gnade. Amen.
* Er mache uns standhaft im Glauben, froh in der Hoffnung und eifrig in den Werken der Liebe. Amen
* Die erste Ankunft des Erlösers sei uns Unterpfand der ewigen Freude, die er uns schenken wird, wenn er wiederkommt in Herrlichkeit. Amen.

Das gewähre uns der gütige Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. - Amen.

Nehmen Sie den roten Faden mit nach Hause und erinnern Sie sich daran: Es gibt auch in meinem Leben einen roten Faden, der mich aus dem Labyrinth, aus manchem Turm befreien und über manchen Abgrund führen kann. - Gott, der uns immer wieder aufs Neue sagt: "Ich bin für dich da!"

Gehet nun hin in Frieden. - Dank sei Gott. .

Schlußlied: GL 261,1-3 Den Herren will ich loben, es jauchzt In Gott mein Geist;



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