Arnbacher Gespräche Übersicht                   Arnbacher Gespräche 2004  

Jahresthema 2004: Versöhnung - damit Leben gelingt

1. Ich mag mich - Aussöhnung mit mir selbst
Prof. Dr. Bernhard Grom S.J. Philosophische Hochschule München
Mittwoch, 28. Januar 2004


Gute Auswahl bei Arnbacher Gesprächen - Erster Referent 2004 Prof. Grom

Der Referent Prof. Grom

Versöhnung, damit Leben gelingt
Bericht der Dachauer Nachrichten vom 5.2.2004

Dachau/Arnbach (rh) - Seit 1986 erfreuen sich die von der Katholischen Landvolkbewegung initiierten Arnbacher Gespräche gleichbleibender Anziehungskraft. Zurück zu führen ist dies auf die kluge Themen- und Referentenauswahl der Verantwortlichen. Die diesjährigen Gespräche unter der Überschrift "Versöhnung - damit Leben gelingt" sind in drei Bereiche gegliedert: Versöhnung mit sich selbst, mit seinen Mitmenschen und unter den Völkern.

Im voll besetzten Arnbacher Pfarrhof begrüßte Werner Götz am ersten Gesprächsabend Pater Bernhard Grom, Professor an der Philosophischen Hochschule München, als Referenten zum Thema "Ich mag mich - Aussöhnung mit sich selbst".

Grundvoraussetzung für die Bereitschaft zur Aussöhnung mit sich selbst ist die Fähigkeit, sich selbst zu mögen. Bei Menschen mit wenig ausgeprägtem Selbstwertgefühl ist diese Fähigkeit unterentwickelt oder gar nicht vorhanden.

Geprägt durch Erziehung, Vergleich mit anderen, Selbstbeobachtung und das Unvermögen, den eigenen Erwartungen zu entsprechen, weicht das Selbstbild, das jeder Mensch von sich hat, nicht selten von der Realität ab. Mangelnde Liebe und Anerkennung durch Eltern oder Partner, die Fremdbestimmung durch falsche Anpassung, die Überbewertung von an sich beobachteten negativen Eigenschaften und eine zu hohe Erwartungshaltung sich selbst gegenüber verhindern das Erkennen des eigenen Wertes.

Selbstachtung kann sich jedoch nur entwickeln, wenn übertriebener Perfektionismus, zerstörerische Selbstkritik, Gewinn- und Versagensängste abgebaut werden und statt dessen der Maßstab an den eigenen Anlagen und Fähigkeiten angelegt wird. Hilfestellung geben Selbstsicherheitsprogramme, in denen man lernen kann, die Neigung zur Eigenabwertung und widerstandslosen Anpassung abzubauen. Selbstbehauptung und Beharrlichkeit bei der Äußerung eigener Wünsche sind ebenso zu erlernen wie die verantwortliche Selbstliebe, die keinesfalls mit Selbstsucht zu verwechseln ist. Nicht vergessen dürfe man aber das hilfreiche Zusammenwirken von Glauben und Selbstachtung, schloss Prof. Grom, denn schon die Bibel lade uns ein, von uns selbst ähnlich gut zu denken wie Gott.

Zu den Fragen und Aussagen der Gäste nahm Prof Grom geduldig Stellung.

Hier ging es um den früheren und heutigen Erziehungsstil um überbetonte Bewertung negativer Kindheitserfahrungen, Akzeptanz eigener Fehler, Wahrheitstreue des Selbstbildes, Benachteiligung sozial Schwacher und um fördernde oder hindernde Einflüsse auf die Bildung vor Selbstwertgefühl.

Antwort auf alle Fragen ist laut Prof. Gnom die Liebe. Geliebt zu werden ist die beste Voraussetzung für ein intaktes Selbstwertgefühl "Dass du mich liebst, macht MICH MIR wert heißt es aufschlussreich in einem Liebesgedicht von Friedrich Rückert mit dem Prof. Grom den Abend beendete.

Da von Natur aus alle Menschen die gleiche Würde haben, solle man gegen ungerechte Verhältnisse protestieren. Um sein Selbstwertgefühl realistisch aufzubauen, solle man sich schon mit anderen Personen vergleichen, aber mit solchen, die auch zu den eigenen Anlagen und zum eigenen Umfeld passen. Vor allem aber solle man immer wieder positive Erinnerungen darüber abrufen, was einem gut gelungen sei.

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Pressetext der Katholischen Landvolkbewegung Dachau

Zum Auftakt der heurigen Arnbacher Gespräche "Versöhnung damit Leben gelingt" drängten sich über 70 Teilnehmer in den Arnbacher Pfarrhof. Die Katholische Landvolkbewegung, die die Gespräche veranstaltet, hatte dazu den Jesuitenpater Prof. Grom eingeladen zu dem Thema "Versöhnung mit sich selbst".

Es schade dem Menschen über Jahre hinweg, wenn er unversöhnt ist z.B. mit seiner Familie oder der sonstigen Umgebung, leitete Grom den Abend ein. Die Aufdeckungsphase sei hier ganz wichtig: Wut und Verletzung müssten bewusst gemacht werden. Dazu gehöre aber genügend Selbstwertgefühl; man müsse versöhnt sein mit sich selbst, also übereinstimmen mit den Anforderungen, die man an sich stelle. Die Zuneigung anderer sei die wichtigste Selbstwertbestätigung, betonte Grom. Solche Menschen seien mit dem Leben zufriedner als z.B. Karrieretypen. Oft müssten wir aber Anerkennung erstreiten. Wer sich damit abfinde, dass er nicht ernst genommen wird, gerate leicht in die Ausbeutungsfalle. Deshalb müsse man unangemessene Schüchternheit erkennen und vermeiden. Grom riet dazu, sich bewusst zu notieren, wann und wie man untergebuttert worden sei und seine Wünsche aufgegeben habe. So entdecke man die Unterdrückungsmechanismen.

Da von Natur aus alle Menschen die gleiche Würde haben, solle man gegen ungerechte Verhältnisse protestieren. Um sein Selbstwertgefühl realistisch aufzubauen, solle man sich schon mit anderen Personen vergleichen, aber mit solchen, die auch zu den eigenen Anlagen und zum eigenen Umfeld passen. Vor allem aber solle man immer wieder positive Erinnerungen darüber abrufen, was einem gut gelungen sei.

Grom betonte, dass es dabei nicht nur auf Leistungen ankomme, sondern auch z.B. auf nette Charakterzüge. Schließlich stärke es einen auch, wenn man sich an einer gemeinsamen Aufgabe beteiligt habe. Der Erfolg im Beruf sei dagegen nicht ausreichend für ein stabiles Selbstwertgefühl, denn was sei bei Arbeitslosigkeit oder Ruhestand? Wer sein hohes Einkommen als großartig herausstelle, mache sich letztlich abhängig vom Applaus der Schickeria. Und wer die körperliche Attraktivität als Kult betreibe, werde davon aufgesogen und seine anderen Fähigkeiten lägen brach. Man sollte sich aber auch bewusst nach seinem Können richten und seine Fehler akzeptieren und nicht unbedingt perfekt sein wollen.

Der Jesuitenpater Grom betonte, dass wir nicht nur den Wert hätten, den uns die Wirtschaft zuerkenne, sondern dass uns die Bibel einlade, von uns ähnlich gut zu denken, wie Gott von uns denke: "Weil Gott mich liebt, soll auch ich mich lieben." In der Diskussion wurde deutlich, dass an einem gestörten Selbstwertbewusstsein nicht nur die Eltern schuld sind; psychische Probleme werden auch stark durch die Gene beeinflusst. In jedem Fall könnten die eigenen Lernprozesse die Persönlichkeit stark verändern. Ferner wurde herausgestellt, dass ein gesundes Selbstwertgefühl zu weniger Unterdrückung in Partnerschaften oder der Gesellschaft führe. Menschen, die sich übertrieben in Szene setzen, hätten dagegen ein schwaches Selbstwertgefühl und verbrauchten viel Lebensenergie, um eine Fassade vor sich aufzubauen.

Ein Teilnehmer sah die große Gefahr, dass Menschen, die ihre Grundbedürfnisse nicht mehr erfüllen können, auch an Selbstachtung verlören. Armut grenze aus. Vor allem wenn die öffentliche Meinung ein bestimmtes Konsum-Niveau setze, schade man ärmeren Kindern. Gegen diesen Trend könne man nur Gleichgesinnte suchen, entgegnete Grom, z.B. in einer Glaubensgemeinde, die andere Werte hochhalte. Eine Teilnehmerin berichtete von ihrer Erfahrung, wenn man seine eigene Schwäche zulasse und darüber rede, also die Schweigespirale durchbreche, finde man auch andere, denen es genauso gehe, und zwar gar nicht wenige; dann könne man gemeinsam die Werte in seinem Umfeld ändern und den materiell Benachteiligten Selbstwertgefühl vermitteln.

Die Arnbacher Gespräche werden fortgesetzt mit dem Thema "Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben .- mit anderen auskommen". Dazu kommt der evangelische Pfarrer Martin Stählin von der Erlöserkirche in München.
Termin: Mittwoch, 18. Februar 2004, 19.30 Uhr im Pfarrhof Arnbach.
Die Katholische Landvolkbewegung lädt dazu herzlich ein.

Für den Pressetext verantwortlich: Dr. Alois Igelspacher, Sonnenstraße 7, 85244 Röhrmoos

 

Ankündigung der Arnbacher Gespräche 2004 in der Presse
Zum 2.Gespräch 2004 (Pfarrer Dr. Martin Stählin)
Zum 3.Gespräch 2004 (Dr. Peter Barth)